Steinort, den 18. Mai 1811

Gnädigster Herr Graf

In den Gütern ist noch alles gesund und gut, wir haben bis auf die kleine Gerste in 4 Vorwerken alles zugesät, diese Woche werden wir auch mit Besetzung der Kartoffelgärten fertig werden, dann die Zäune instandsetzen und Dünger anfangen zu fahren.

Der Landbaumeister ist noch nicht hier gewesen, er hat mir aber versprochen, morgen bestimmt zu kommen, der Zimmermann ist schon ganz unwillig.

Die Teichgräber sind gekommen und ich werde alles suchen abgraben zu lassen, was nur möglich ist.

Die Stuten von Reuschen haben 6 Portionen einzunehmen bekommen und gestern sind sie eingeschmiert und werde nach 8 Tagen den Erfolg davon ansehen und sie dann auf Gras bringen. Zuvor wünsche ich aber wohl der gnädigsten Willensmeinung zu wissen, ob die Reuschenschen Stuten auch bedeckt werden sollen.

Carl ist aus Angerapp vorgestern schon retour gekommen und hat beide Schimmelstuten und die Berliner Braune mitgebracht, die Trakehnsche Braune ist noch dageblieben, die Stute ist tragend gewesen und hat nach dem Belegen das Fohlen weggeworfen.

Mit dem Einteilen des Brachfeldes in Stawisken ist der Conducteur fertig, wir haben jetzt die Grenzen bereist, die das Vorwerk Klein Steinort bekommt, und er arbeitet jetzt am ganzen Plan, danach die Feldereinteilungen gemacht werden sollen.

Vorgestern sind hier aus den Gütern 12 Mann an die Soldaten beordert, beide Hofknechte, die auf Martini nach Stawiskcn gemietet sind.

Der Brenner klagt sehr über die Wärme des Wassers und will nicht länger auf seine Gefahr brennen. Die Hitze ist auch hier sehr groß, wir haben gestern 20 Grad Wärme gehabt, und voriges Jahr war die größte Wärme 21 Grad im Monat Juli.

Das Stroh haben wir auf allen Vorwerken ja im Überfluss, dass Holstein sein Haus bedachen kann. Die Mäuse werden doch noch vieles zerschneiden. Holstein ist gestern bei mir gewesen und hat mir gesagt, dass Ew. Hochgeboren versprochen haben, von unserem Tischler und Holz die Fensterköpfe, Rahmen und Türengerüste machen zu lassen, dazu wird viel Holz und Zeit erfordert und Fichten sind keine vorrätig, dann muss er Eichen nehmen.

Der Fährbauer ist schon weit vorgerückt mit dem Bau, nur breiter wie 15 Fuß kann er sie nicht machen, auch nicht länger wie 30 Fuß, die Bohlen sind nicht länger wie 30 Fuß geschnitten und stark verhauen, so dass die Breite nicht mehr wie 15 Fuß austrägt, sie wird im Grunde klein und man wird nicht mehr wie 10 bis 12 Stück können überbringen, allein leicht zu rudern.

Der Kaufmann, der dem Willimzig 5 Fl. für den Scheffel Weizen geboten hat, heißt Sprung.

Wenn Ew. Hochgeboren doch dem Fleischer Schön möchten sagen lassen, dass er entweder seinen Ochsen abholen oder verkaufen möchte lassen, denn sonsten müsste ich ihn ausjagen lassen, wenn wir aufhören zu brennen, es hat ein Rastenburger Fleischer 100 Fl. dafür geboten.

Der Prediger Lüls ist gestern hier angekommen und lässt sich Ew. Hochgeboren untertänigst empfehlen. Mit mir sieht es auch noch immer schlecht aus, ich kann nicht gesund werden, es bleibt immer beim alten.

Herr Gaehler läßt sich untertänigst empfehlen und wenn kein Regen kommt, so wird er schwerlich dieses Jahr auf Kittlitz Kartoffel setzen.

Mit allem Respekt habe die Ehre mich zu unterzeichnen Ew. Hochgeboren untertänigster Diener Berent

Zitierhinweis

Verwalter Berent berichtet aus Steinort. Steinort, 18. Mai 1811In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_czx_vqk_4qb