Basedow Mecklenburg 19. Jan. 91

Meine geliebte Tante!

Erspar mir zu sagen, wie furchtbar uns die Nachricht in England packte. Ich frug mich immer wieder, warum Gott mir gerade so Hartes schickt. Allmählich habe ich mich mehr beruhigt. Ich musste mir sagen, dass es im Leben ja noch viel Schwereres gibt.  Die in Basedow seit dem 13. Jahrhundert ansässige Familie hatte die Ritterburg im 16. Jahrhundert zu einem repräsentativen Herrenhaus im Stil der Renaissance umgebaut. Ab 1839 ließen die Hahns das Herrenhaus, das Dorf und die Wirtschaftsgebäude durch Friedrich August Stüler neu gestalten. Zwischen 1835 und 1852 legte Peter Joseph Lenné den Landschaftspark an. In enger Zusammenarbeit mit Stüler entstand eine vollkommene Landschaft, in die sich die Gebäude, die Wege und Bäche, Großsteingräber und die Reste der Burg perfekt einfügen. Nachdem 1891 der Südflügel des Herrenhauses abgebrannt war, baute der Architekt Albrecht Haupt das Gebäude im Stil der Neorenaissance um. 1945 wurden einige Gebäudeteile zerstört. Das Herrenhaus steht seit 1951 unter Denkmalschutz.
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Die schlimmste Zeit war für mich die, bis ich hier ankam, weil ich nach dem Telegramm annehmen musste, das alles verbrannt.

Als ich hier ankam, hatte ich das Gefühl, ein überaus glücklicher und reicher Mann zu sein, weil ich mit jeder Stunde Dinge gerettet fand, welche ich schon zerstört glaubte. Namentlich war es meine ganze Freude, das Gott mir den alten Teil, den ich mit so viel Liebe und Pietät eben fertig restauriert hatte, so weit erhalten hat, dass er wieder ganz hergestellt werden kann.

Der sogenannte neue Teil (Stüler) ist vollständig ver- und ausgebrannt.

Gerettet fast alle Familienbilder und die anderen Ölbilder.

Verloren die Bilder von  Auf Kuchelmiß und Pleetz. Er starb 1609, ihm folgte die Linie Basedow.
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Lüdecke Hahn und Frau auf Pleetz,
von Werner Hahn auf Faulenrost, von  Der „Theatergraf‟, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_von_Hahn
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Karl Hahn auf Remplin
, von Vincenz   Unleserliche Stelle [...] Hahn, Urgroßmutter mit der Tante Voss auf Schoß und Großpapa daneben und einige andere, die Du noch nicht kanntest. Die ganze Galerie nach den Epitaphien.

Ferner der Leonardo da Vinci verbrannt, hing jetzt im Roten Kabinett. Großer Goldener Venetianerstuhl dort gerettet. Klavier Louis Ferdinand gerettet. Beide Bibliotheken gerettet. Meine Heraldische und Genealogische Bibliothek gänzlich verbrannt.

Alle Sachen auf der Halle verbrannt, auch die schöne Uhr.

Erste und neue Etage nicht ein Stück gerettet. Alles, was uns,  Henckel von Donnersmarck
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Therese
und mir lieb und wert war, vernichtet. Bett, Brautkleid usw.

In der   Unleserliche Stelle [...]halle alles, was mir gehörte, nicht ein Stück meiner gesammelten Erinnerungen, alle Geweihe, alle alten englischen Stücke von Hunting(?) und Buring(?).

In der   Unleserliche Stelle [...]halle (früher Großpapas Wohnzimmer) Silber gerettet, alle alten Ölbilder von  Wahrscheinlich Franz Adam, deutscher Pferde- und Schlachtenmaler
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Adam
und Litfas und die von mir dazu angeschafften Teile vernichtet, teils kaum zu erhalten.

Mein Schreibzimmer (früher Dienerstube) gerettet, wenn auch alles schwarz.

Im Schreibtisch alle Miniaturen, Ringe und kleinen Familienerinnerungen gerettet.

Bild von Großpapa zu Pferde verbrannt.

Gerettet Büsten von Großpapa und Astronom.

Verbrannt eigentlich alle Fideikommissmöbel und der größte Teil unserer eben herübergeholten Ulrichshusener Möbel, dennoch kann ich nur dankbar sein.

Wären wir hier gewesen, wäre wohl wegen unserer Rettung nichts gerettet worden. Die Treppe brannte sofort. Überhaupt brannte der Stülersche Teil wie Zunder. Um 1/2 8 entstanden, um 3 Uhr zu Ende. Es ist ein Wunder, dass es möglich war, das Feuer im alten Teil, der zuerst brannte, zu löschen,  Vgl. Ein Fund von sieben Gemälden von Caspar David Friedrich im Hahnschen Schloss Basedow, Mecklenburg, in: Lorck, Carl, Vom Geist des deutschen Ostens. Diskurse zur Kunst und Strukturanalyse des deutschen Ostens, Berlin 1967.
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so dass der größte Teil hiervon gerettet ist.
Über der   Unleserliche Stelle [...]halle ist sogar der Dachstuhl stehen geblieben. Wäre der Brand hier nicht gelöscht, es wäre sicher das ganze Schloss abgebrannt. So bleibt mir doch etwas.

Es war furchtbar, aber Gottes Gnade war wieder groß. Ich füge mich seinem Willen. Denke Dir, wenn das, was jeden Tag passieren kann bei der Bauart, dem armen Papa zugestoßen wäre! Er hätte es nicht überwunden.

In Steinort hängt, wenn ich nicht irre, das Bild von  Möglicherweise von St. Leonards- on- Sea im Besitz der Familie Hill, in die die Schlippenbachs eingeheiratet hatten, möglicherweise hatte sich Graf Hahn dort aufgehalten, als er aus England kam, vgl. APO, Bestand 382 FA Lehndorff, Nr. 392.
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Seahouse
gemalt. Darf ich es kopieren lassen? Ich werde überall zusammenzutragen suchen.

1000 Dank für deine Teilnahme. Herzliche Grüße von Tessa und mir an Dich und die Deinen.

Dein gehorsamer Neffe Hahn-Basedow

Zitierhinweis

Friedrich Franz Graf von Hahn an Anna Gräfin von Lehndorff. Basedow, 19. Januar 1891. In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_ed5_szn_2db