Steinort, den 31. Dezember 1807

Gnädigster Herr Graf

Dero Befehl gemäß überschicke ich den Carl mit einem H.(?) Wagen, worauf Futter und einige Viktualien nach einliegendem Zettel mitkommen.

In den Gütern ist alles gesund und gut, nur Witterung und Wege machen alles krebsgängig und Stockung in Handel und Wandel. Tage und Wochen vergehen und man kann nichts unternehmen.

Der Kontrakt mit Klein nebst Übergaberezess ist erfolgt, zugleich auch die Jahresrechnung bis Trinitatis 1806. Pag. 24 ist der Aufschluss des ganzen; die Beläge und Manualia habe ich zurückbehalten, damit Ew. Hochgeboren sie in Steinort mit dem hier befindlichen Registratur-Exemplar durchgehen können.

Meine Reise muss schon bleiben, bis Hochgeboren retour reisen, damit ich zugleich meine jährlichen Bedürfnisse einkaufen und mit retour nehmen kann, denn bei einem solchen Wege ruiniert man nur Wagen und Pferde.

 Erst 1808 übernahm Lehndorff die Steinortschen Güter, vgl. GStA PK, XX. HA, Rep. 54 Gutsarchiv Lehndorff-Steinort, Nr. 770. Sein Vater, Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff, verstarb 1811, die Mutter Amalie Caroline, geb. von Schmettau 1830.
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Ew. Hochgeboren bitte ich doch über die nachstehenden Gegenstände mit Ihrer Exzellenz Dero Frau Mutter Rücksprache zu nehmen:

  • a. Ob ich nicht den Bau eines massiven Insthauses in Steinort unternehmen kann. Die Kosten werden nicht sehr groß sein und es ist äußerst nötig.
  • b. Da in Serwillen nur 10 St. Kühe noch vorhanden, so würden die Kosten, einen Hofmann da zu halten, ebenso groß sein wie die Einnahmen; wo Brosch bleiben soll.
  • c. Wittke hat sich verlauten lassen, dass sein Sohn von Ostern den hiesigen Försterposten erhalten würde, der jetzige Oberwart fräget also an, ob dies hier beibehalten werden wird, oder sich in Zeiten um einen anderen Dienst umsehen soll.
  • d. Nach der hier abgehaltenen Berechnung mit sämtlichen hiesigen Instleuten bleiben solche fast alle im Rest, weil erstens das Getreide im hohen Preise gegen ihr Taglohn steht, und zweitens sie auch viel durch Russen und Franzosen gelitten haben; sie bitten also um Erlass ihrer Abgaben; wenigstens bitte ich für die, die an der Ruhr krank gelegen und nichts haben verdienen können.

Meine Frau mit mir empfehlen uns sämtlichen erlauchten Herrschaften bei diesem Jahreswechsel zur ferneren Gnade und fügen den aufrichtigsten Wunsch hinzu, dass die Vorsehung Sie sowohl dieses angefangene, wie auch alle zukünftigen Lebensjahre mit dem irdischen Glück, Gesundheit und dem schönsten Los der Zufriedenheit beglücken möge.

Szeska hat mir gesagt, dass nur I. Bouteille weißer und 3 Bouteillen roter Wein im Vorrat seien, um ein paar  Maßeinheit der Masse. In Preußen entsprach vor 1856 1 Lot(h) 14,606 g.
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Loth
Muskatblüte bittet Wittke.

Ich werde doch auf allen Fall den 6. Januar gegen Abend 4 Pferde nach Drengfurth von Serwillen schicken.

Der Kaufmann, mit dem ich sonsten gehandelt habe, heißt Turowski und wohnt auf dem Weidendamm im letzten großen Haus. Er ist ein sehr artiger feiner Mann.

Mit dem Wunsch einer recht glücklichen Reise unterzeichne mich mit vollem Respekt Ew. Hochgeboren ganz ergebenster Diener Berent

Zitierhinweis

Friedrich August Berent an Carl Friedrich Ludwig Graf von Lehndorff. Steinort, 31. Dezember 1807In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_etp_3rt_q2b