Editorische Auslassung [...] Ich schicke Ihnen und Heinrichen und dem guten Dönhoff die Breslauer Zeitung, welche die Waffenstillstandsartikel enthält, die Sie vielleicht noch nicht wissen; ein eben sich verbreitendes Gerücht sagt, dass späterhin eine andere Konvention abgeschlossen sei, vermöge welcher Russland und die Franzosen Schlesien räumen, erstere nach Polen, letztere nach Sachsen gingen!

Ich habe hier Prinzess Wilhelm, die womöglich noch weit schöner geworden ist, als sie war, und Prinzess Radziwill gefunden - ganz Berlin war emigriert. In Landsberg an der Warthe fand ich 5 geheime und 11 gemeine Staatsräte und fast alle Dikasterien versammelt, nun wird wohl alles wieder zu Bau gehen, wie der Jäger vom Fuchs sagt. Die Prinzessinnen sind liebenswürdig wie immer, ich habe bei ihnen dejeuniert, goutiert, soupiert. Gestern kam Prinz Wilhelm von der Armee, den Waffenstillstand benutzend, und ging mit der Prinzess nach Berlin. Er war auch auf den Waffenstillstand sehr böse, hofft aber, es würde alles noch gut werden - ich nicht.

Gott segne Sie, teure Mutter, erinnern Sie mich freundlich meinem Heinrich, Dönhoff, den Kindern und allen, welche mir wohl wollen. Wird es Friede, so komme ich gleich wieder, Kartoffeln pflanzen und - wohl nicht in Freuden - doch in Friedensruhe mein kärglich Brot in der Heimat essen.

treu und ehrfurchtsvoll Ihr Carl L.

Zitierhinweis

Carl Friedrich Ludwig Graf von Lehndorff an seine Mutter Amalie. Frankfurt/O., 14. Juni 1813. In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_hl3_c12_ycb