Serwillen, 3. Juni 1732

Hochgebohrene Reichsgräfin
Hochgebietende, gnädige Frau

Ew. Hochgeboren Excellenc muss ich in aller Demut zu erwägen fürstellen, dass ich vermeinet, mit der Serwillschen und Taberlackschen Arrende mein Brot zu haben, allein leider Gottes das Contrarium gefunden, so dass ich all das meinige zusetzen und mit Frau und Kindern werde darben und notleiden müssen. Wenn solches durch mein Versehen und negligierte Wirtschaft geschehen wäre, müsste mir die Schuld selbsten beimessen. Da ich aber mich äußerst bemüht habe, auch bei den Vorwerken mit Bestellung der Äcker zu rechter Zeit und anderer, bei der Wirtschaft nötiger Aufsicht mein Bestes zu tun, und dennoch eben wie  Siehe hierzu die Liste der Pächter von Serwillen in der Anmerkung zum Text.
 [Schließen]
die für mir gewesenen Arrendatores
, wovon doch als ein an diesem Ort Unbekannter nichts gewusst, das meinige zugesetzt; so muss Ew. Hochgräfliche Excellenz zeigen, woher mein Unglück kommen, zu dem Ende eine  Diese liegt der Akte bei, überschrieben: „Sepecification der Posten, worinnen Herr von Arciszewski vermeint,   Unleserliche Stelle [...] zu sein und solche ihm zu bonifizieren demütigst bittet‟. Die Summe für Taberlack lag bei über 700 Fl., für Serwillen war sie doppelt so hoch.
 [Schließen]
Specifiktion von Serwillen und Taberlack hierbei übergebe,
aus welcher zu ersehen,  Vgl. Germershausen, Christian Friedrich, Der Hausvater in systematischer Ordnung, vom Verfasser der Hausmutter, Bd. 1, Leipzig 1783, S. 2 ff. Demnach oblag es dem Käufer oder Pächter eines Gutes zu berechnen, ob das zu pachtende Gut die Arrende erbringen und einen Überschuss erwirtschaften könne, um den Pächter und dessen Familie zu versorgen. Aus diesem Grunde wurde der sog. Anschlag gefertigt, der Ertrag und Nutzung des Gutes nachwies. Ein Anschlag für Taberlack aus den 1770er Jahren in: StA L, Bestand 21950 FA Lehndorff, Nr. 265, Bl. 34. Demnach war für Taberlack von einem Ertrag von rund 1527 F. auszugehen, abzüglich der Kosten verblieben - theoretisch - 1148 Fl.
 [Schließen]
dass die Anschläge nicht richtig, sondern zu hoch gemacht,
und die in Auflage gesetzte Aussat nicht vorhanden.

Der Stamm von Kühen nicht völlig erhalten, und dieselben noch so im schlechten Stande, dass das erste Jahr der Hofmann ohne meine eigenen 14 Kühe, mir 606 Fl. schuldig blieb. Den Gesindelohn höher bezahlen müssen, als im Anschlage enthalten, wozu noch diese wohlfeile Zeit kommen, dass alles weit geringer, als Anschlag ist, verkauffen müssen.

Ew. Hochgeborene Hochgräfliche Excellenz wollen die Gnade haben, solches gütigst erwägen und in Ansehung meiner Not, darin ich ohne mein Versehen geraten, aus Dero angeborenem hohen Stande mit mir dergestalt zu handeln, damit Ursach finde.

Lebenslang Dero Güte zu rühmen und des Himmels tausendfachen reichen Segen mit unverändertem Gebet von Gott zu erbitten
Ew. Hochgeboren, hohe Reichsgräfliche Exellenc, Ihr Hochgeboren Gnädige Frau Gräfin
untertänigster Knecht
B. v. Arciszewski

Zitierhinweis

Der Pächter von Serwillen und Taberlack, Boguslaw von Arciszewski, bitte um Nachlass in seiner Pacht. Serwillen, 3. Juni 1732. In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_jln_2vr_cqb