Königsberg, 10. Mai 1836

Herrn Inspektor Werner! auf Serwillen

erwidere auf Ihr gütiges Schreiben vom 18. v. M., dass dringende Geschäfte, wie selbige im Frühjahr bei Gärtnern, die nicht mehr eine ganz kleine Wirtschaft haben, stets vorhanden sind, mich davon abgehalten haben, gleich mit umgehender Post zu antworten. Schon mehrere Male habe ich Ihro Exzellenz darauf aufmerkam gemacht, dass, wenn Sie einen tüchtigen brauchbaren Gärtner brauchen, sich wenigstens schon im Jahr vorher darum bemühen müssen, und solche Menschen, die Ihre Anforderungen, welche Sie in Ihrem Schreiben gemacht haben bieten, möchte ich beinahe behaupten, gibt es gar nicht. Die gründliche Kenntnis des ganzen Planzenreichs ist schon ein Studium für ein Menschenalter, ebenso auch die richtige Behandlung derselben, wie auch ein ausgezeichneter Gartenarchitekt zu sein, und sollten Sie wirklich auf ein Subjekt stoßen, was Ihren Anforderungen nur nahe käme, so dürfen Sie es mit den menschlichen Gebrechen schon nicht zu genau nehmen und auf die Moralität nicht so ängstlich sehen, es müsste denn Alterschwäche ihn schon zum Heiligen gemacht haben.

Die Blumensämereien habe ich nicht mitgesandt, weil dieses viel zu spät ist und schon im März hätte ausgesät werden sollen, und von  Pflanzen, die mehrere Jahre leben.
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perennierenden Blumensämereien
halte ich keinen Samen, indem die schönsten als gefüllte Blumen keinen tragen.

Hochachtungsvoll hat die Ehre sich zu zeichnen als Ew. Wohlgeboren ergebenster Meyer jun.

Aus Wittenfelde bei Elbing hat ein gewisser Gärtner   Unleserliche Stelle [...] Slieber sich bei mir gemeldet, den ich aber nicht kenne; wie er schreibt, soll er im Königlichen Garten gelernt haben.
Um fernere Irnisse zu vermeiden, bin ich so frei gewesen, die vorjährige Rechnung durch Postvorschuss zu liquidieren(?), wie Sie es in Ihrem   Textverlust [...] Schreiben verlangt haben.

Zitierhinweis

Meyer jun. an Inspektor Werner . Königsberg, 10. Mai 1836In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_rnq_ltz_frb