Königsberg, den 27. Januar 1784

Hochwürdiger, Hochgeborener Reichsgraf
Kammerherr und St. Johanniter-Ordens-Ritter
Gnädigster Graf und Herr,

Euer Hochreichsgräfliche Gnaden habe die Gnade untertänigst zu melden, dass der von Denenselben zum Predigtamt in Rosengarten vocierte Rektor Aegidi heute im hiesigen Consistorio examiniert worden. Es wollte damit zwar vornehmlich(?) schlecht gehen, indem der Herr Rektor wohl das mehrste von den eben erlangten theologischen Kenntnissen hernach wieder vergessen, indessen ist doch unter der Bedingung, dass er sein gegebenes Versprechen, um bessere Kenntnisse in den Wahrheiten des Christentums sich zu bemühen, und dass er solches getan, durch ein übers Jahr mit ihm anzustellendes neues Examen beweisen wolle, zur Ordination admittiert worden, und wird er auch das deshalb vom Konsistorio ihm erteilte Zeugnis sowie ex mandatum introductionis an den dortigen Erzpriester mitbringen.

Übrigens scheint er ein guter stiller Mann zu sein, der seiner künftigen Gemeinde besonders durch einen rechtschaffenen Lebenswandel erbaulich werden kann, und wünsche von Herzen, dass Gott ihm die Gnade verleihen wolle, um derselben durch eine treue und fleißige Verwaltung des Predigtamtes reichen Segen zu stiften.

Euer Hochreichsgräflichen Gnaden empfehle mich untertänigst zu fernerer hohen Gnade und Gewogenheit und verbleibe mit tiefstem Respekt
Euer Hochreichsgräflichen Gnaden untertänigster Diener und Fürbitter
G. Renard

Zitierhinweis

G. Renard an Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff. Königsberg, 27. Januar 1784In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_zyf_pdj_wz