Regest:

Nach dem Tod des Obristleutnants Fabian Melchior von Lehndorff, Erbherr auf Labab, wird durch die Vormünder seiner Kinder, den Oberappellationsgerichtsrat Fabian von Lehndorff, Erbherr auf Stawken, und Julius Friedrich von Packmohr, Oberhofmeister, Erbherr auf Jäglack, am 16. Dezember 1674 in Drengfurth ein Inventar aufgestellt.
Demnach gab es auf dem Hof Labab: eine große Wohnstube, eine Kammer neben der Wohnstube, eine Schlafkammer, ein sogenanntes gewölbtes Stübchen, eine Stube neben der großen Wohnstube (gegen den See gelegen), ein Vorhaus, eine Stube, die anstatt einer Speisekammer genutzt wurde, eine Küchenkammer, eine Küche. An weiteren Gebäuden gab es einen Keller, ein Brauhaus, ein Stübchen neben dem Brauhaus, eine Wagenscheune, einen Pferdestall, Scheunen und ein Torhaus. Alle Baulichkeiten werden als „alt“ beschrieben.

Nach der „Besichtigung des Hofes Labab und wie er im baulichen Wesen befunden‟, wird ausgeführt:
In der großen Wohnstube fehlt ein Kachelofen, in der gewölbten Stube und in der Stube zum See sind die Öfen baufällig. Überall fehlen Lichter (Fenster) oder sind beschädigt. Eine obere Stube ist nicht fertiggestellt. Der Keller ist im desolaten Zustand, ein Fenster fehlt, so dass man einsteigen kann. Der Milchkeller ist kaputt. Überall fehlen Schlösser. Das Dach ist löchrig. Die Außenmauern und der Giebel sind verworfen, die Seite zum See ausgewaschen und baufällig, die Seite nach Steinort hat Risse. Der Schornstein ist beschädigt. Der Zustand der Räume ist schlecht. Torhaus, Brauhaus, Speicher, Scheunen und Schuppen sind baufällig.

Die in Labab wohnenden Bauern sind:
Jann, 4 Pferde, 1 Füllen, 4 Kühe, 3 Ochsen, 4 Schafe, 6 Schweine. Die Scheune ist baufällig.
Jann Dam, 2 Pferde, 2 Ochsen, 1 Kuh, 6 Schafe, 3 Schweine, 2 Kühe. Die Scheune ist baufällig.
Ludwig, 5 Jungpferde, 2 Ochsen, 3 Kühe, 5 Schweine.
Woidku, Zinsbauer, 5 Pferde, 4 Ochsen, 4 Kühe, 13 Schafe, „steht auch im übrigen wohl“.
Jann, 3 junge Pferde, 2 junge Füllen, 2 Ochsen, 3 Kühe, 2 Stück Jungvieh. Die Scheune ist baufällig.
Vier Gärtner: Christoff, noch unverheiratet, Adam, beide sind Fischersöhne.
Martin Klewka, Gendries Seum – bei beiden ist das Gebäude baufällig und wird mit Stützen gehalten.

Vorwerk zu Stawisken:
Das Wohnhaus ist baufällig und ohne Dach. Die Scheune ist baufällig. Vom Schuppen steht nur noch ein Rumpf.
Jan Grabus, Gärtner, 1 Stute, 4 junge Schweine, 1 Sau. Das Wohnhaus ist ohne Dach.
Stephan , Zinsbauer, 4 Pferde, 3 Ochsen, 1 Kuh, 2 Schweine, Das Wohngebäude ist bschädigt.
Jann, Bauer, 2 Pferde, 2 Ochsen, 1 Kuh.
George Mathias, Mietsmann, wohnt auf einem Huben auf Zins, ist kein Untertan.
Michel Schuster, Bauer 4 Pferde, 2 Ochsen, 2 Kühe, alles sein eigener Besitz.
Hans Schmied, Mietsmann, 4 Pferde, gibt Zins und hat sein eigenes Vieh.
Jacob Weiß, Bauer, 2 Pferde, 2 Ochsen, 1 Kuh, 4 Schweine, ihm ist vorerst nur Besatz gegeben und das Winterfeld besät.
Jacob Loswoll, alter Bauer, 3 Pferde, 3 Kühe, 3 Ochsen, 4 Schafe, 3 Ziegen, 2 Schweine.

Taberlack:
Bauersmann hat sein Gebäude pfandweise von Hr. Sigismund von Gaudecker nebst 2 Hufen für 400 Fl. Es wurde von der Gräfin Lehndorff mit einem Schuppen neu errichtet. Zum Inventar gehören: 8 Schock geschnittenes Korn, 1 Schock geschnittener Weizen. Davor gibt es ein Gärtnerhäuschen und einen Gärtner George. Der Schuppen fehlt. Er hat 2 Pferde, 2 Ochsen, 1 Kuh, 1 Füllen, 8 Schweine.
Mathes, Zinsbauer, 4 Pferde, 2 Ochsen, 3 Kühe, 8 Schafe, 5 Schweine.
Fabian, Bauer und Untertan, 4 Pferde, 4 Ochsen, 2 Kühe, 15 Schafe, 3 junge Ochsen, 6 Schweine.
Jann, Bauer, 2 Pferde, 2 Ochsen, 2 Kühe, 1 Füllen, 4 Schweine. Sein Haus ist im selben Jahr abgebrannt und nur die Scheune ist erhalten geblieben.
Marien, Bauer, 2 Pferde, 1 Füllen, 2 Ochsen, 2 Kühe, 2 Schweine. Das Gebäude ist baufällig.
Jedann, 1 Kuh, 2 Schweine. Er hat im Jahr selben Jahr den Bestatz bekommen sollen, ihn aber noch nicht erhalten. Nur das Winterfeld wurde ihm besät.
Hans, Gärtner, ist ebenfalls abgebrannt, hat 1 Schwein.
Jann, hat 3 Morgen, Untertan, hat keinen Besatz, hat eigenes Vieh, ein Pferd, das blind ist, 1 Füllen, 1 Kuh, 6 Schafe.

Das Hausgerät, das zum Hof Labab gehört, wird für die Neuverpachtung 1715 detailliert aufgeführt.

Zitierhinweis

Zum baulichen Zustand des Hofes Labab, Auszug aus dem Inventar. Drengfurth, 16. Dezember 1674. In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_bbv_42d_vpb