Wargen, den 22.10.42

Der Schuhmachermeister Mahlmeister hat mir vor einiger Zeit ein paar Wirtschaftsstiefel angefertigt. Mein Sohn, Leutnant Heinrich Graf Lehndorff, Groß-Steinort über Rastenburg, Ostpr., hatte aus Russland ein erhebliches Quantum Schuhleder mitgebracht und es Mahlmeister übergeben, so dass Mahlmeister auch für mich ein paar Stiefel anfertigen konnte. Die Ablieferung eines Bezugsscheins war daher nicht erforderlich. Wenn Mahlmeister die Stiefel aus eigenem Leder angefertigt hätte, so hätte ich selbstverständlich einen Bezugsschein abgeliefert. Ein solcher hätte mir zur Verfügung gestanden, da ich 2 Paar fast neue Stiefel der Wehrmacht abgeliefert habe, für die der Spender bekanntlich Bezugsscheine erhält. Auch sonst hätte ich mir einen Bezugsschein verschaffen könne, da ich während des ganzen Krieges noch nicht ein einziges Paar Schuhe oder Stiefel kaufte oder anfertigen ließ.

Die Stiefel sind selbstverständlich voll mit Geld bezahlt worden, nicht mit Lebensmitteln.

v. g. u. Dr. Graf Manfred Lehndorff
Landwirt

Zitierhinweis

Erklärung. Wargen, 22. Oktober 1942 In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_dqq_1cx_pz