Actum Angerburg  vor dem Amtsgericht
 [Schließen]
coram officio Judicis
den 12. Febr. 1743

Auf expresse  Liegt der Akte als Konzept bei.
 [Schließen]
Recognition
Ihro Hochgräfl. Gnaden der Frau Gräfin von Lehndorff auf Steinort, ist der hier ins Richterliche Amt eingeschickte Schmied von Pristanien wegen  vorgeworfenen
 [Schließen]
imputierten
Diebstahls zweier Pferde aus  im Kreis Gerdauen
 [Schließen]
Plabuden
in denen Hochadl. Truntlackschen Gütern, derentwegen von E. Nordenburgischen Richterl. Amt unterm 6. Jan. 1743 ein  Liegt der Akte bei.
 [Schließen]
Protocollum
aufgenommen worden,  und nach der ernsthaften Ermahnung zur Wahrheit
 [Schließen]
processa seria ad monitione de pronuncianda veritate
verhöret worden. Derselbe antwortet auf direktes Befragen wegen des Dienstahl folgendes:

Er heiße Michel Kutzing, von 28 Jahren seines Alters, geboren sei er in dem Kruge an der Schleuse bei Tapiau und getauft in  Goldap?
 [Schließen]
Goldbeck
, seine Eltern sind Bierschenken oder Krüger im Kruge an der genannten Schleuse gewesen, davon der Vater schon tod, die Mutter aber wohne zu Ellerbruch jenseits Nordenburg, woselbst sie einen Chatoul Hübner geheiratet. Er sei Lutherischer Religion, sei auch zur Schule gehalten worden, könne den Katechismus und fertig lesen, schreiben aber nicht. Habe zuletzt in Dombrowken acht Wochen vor Michael gebeichtet und kommuniziert, vorhero aber habe er in Ballethen kommuniziert, woselbst er auch vor 5 Jahren mit seinem itzigen Weibe kopuliert worden, habe sich drei Mal alle Jahre des Heil. Nachtmahles bedient, wo er aber itzo nach Pristanien 14 Tage nach vergangenem Michael gezogen, habe er allhier noch nicht kommuniziert, ist aber Willens, solches ehestens in Engelstein in Gottes Namen zu verrichten; produziert hierbei ein recht gutes Attestatum wegen seines Verhaltens, welches ihm des H. von der Groeben Hochwohlgeb. eigenhändig, als er aus denen Gütern von Szwirgallen nach Pristanien gezogen. Wegen des Diebstahls  bedauert
 [Schließen]
dolieret
er sehr, dass er ganz unschuldig deswegen angegeben und verdacht wird, es wäre wahr, dass er eine Falbe, aber nicht blauscheinlichte Stute und einen gelbbraunen Wallach in Stallupönen auf dem Jahrmarkt sogleich nach vergangenem Michaelis gehabt, davon er die falbe Stute, so noch ein Füllen gewesen, welches er in Insterburg auf öffentlichem Jahrmarkt den Tag nach Michael von einem litauischen Mann (den er aber nicht kannte, auch nicht zu nennen weiß, nur   Unleserliche Stelle [...] von  Die Schreibweise stimmt nicht.
 [Schließen]
Gehmisken ohnweit Blackin
gewesen zu sein) vor 2 Rtlr. gekauft und in Stallupönen vor 7 Rtlr. verkauft, welches er auch dem  Johann aus Skerlacken(?).
 [Schließen]
Kameraden
des  Lt. dem Protokoll vom 6. Januar 1743 war er ein Losmann im Dorf Litauisch Dombrowken. Er hatte auf dem Jahrmarkt in Stallupönen vermeintlich die beiden dem Bauer Michael Haubitz aus dem Dorf Plabuden gestohlenen Pferde erkannt, weshalb die Obrist-Leutenantin von Wernsdorff die Sache in Nordenburg zur Anzeige gebracht hatte.
 [Schließen]
Michael Pakaut
sogleich gesagt; den gelbbrauen Wallach vom 5. ins 6. Jahr aber habe er wieder zu Hause nach Szwirgallen genommen, denn er seine 3 Pferde gehabt, mit dem 3. aber (nämlich dem gelbbraunen Wallach wäre er nach Insterburg und nach Stallupönen auf die Jahrmärkte geritten gewesen, hätte auch selbiges Pferd von Szwirgallen nach Pristanien gebracht, woselbst er es von dem Czieganski nach Nordenburg auf dem Drengfurthschen Markt vertauscht hat. Die Bauer Schwartzsche in Genttlen(?) könnte ihm zegen, dass er die in Stallupönen verkaufte Stute in Insterburg ehrlich und redlich bei dem Bierschenken Springwaldt gekauft. In Szwirgallen hat er auch Zeugen, die da wissen, dass er den gelbbraunen Wallach hier in Angerburg auf dem so genannten Kruschen Jahrmarkt, etliche Wochen vor Michaelis, um einen Fuchsen getauscht. Bittet um Satisfaktion wegen beschuldigten Diebstahls, der ihm nimmermehr verwiesen werden kann, er auch seinen ehrlichen Namen bis an sein Ende zu erhalten gedenket, und all das seinige anwenden will, dass er dieser Beschuldigung rechtl. Satisfaktion erlangen möge. Mehr wisse er nicht,  im Sinne: daher wurde die Befragung beendet und das Protokoll verfasst
 [Schließen]
hinc facta prolectione, prolecta ratihabens, dimissus est actium ut supra
.

H. Benefeldt
Judex Angerburgensis

Zitierhinweis

Ermittlungen der Patrimonialgerichtsbarkeit auf dem Gut Steinort gegen den Dorfschmied von Pristanien, Michel Kutzing, wegen Diebstahls von Pferden aus dem Dorf Plabuden. 1743-1745 In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_ejj_h3t_1qb