Von Gottes Gnaden Friedrich König in Preußen   Editorische Auslassung [...] pp.

Unsern gnädigen Gruß und geneigten Willen zuvor, Hochwohlgeborener besonders Lieber und Getreuer.

Nachdem nicht nur bereits in verwichener Zeit wegen sehr großen Übermuts des Gesindes in denen Städten sowohl als aufm Lande vielfältige Klagen geführt wurden, sondern itzo auch dergleichen aufs neue von verschiedenen Orte einkommen, so dass viel Hausväter und Hauswirte, falls sie nicht ohne Gesinde bleiben wollen, mehr, als sonst jemalen gebräuchlich gewesen, an Lohn und anderes offerieren müssen, dahero zu besorgen, dass dieses Unwesen, wofern demselben nicht in Zeiten gesteuert wird, das ganze Land in sehr großen Schaden setzen, folglich desselben Wiederaufbringung von seinem bisherigen Abfall zuwider unserer gnädigsten und landesväterlichen Intention verhindern und zurückhalten dürfte, als finden wir höchst nötig, desfalls auf zureichende nachdrückliche Hilfsmittel bedacht zu sein, da weder die alte Land- und Tax-Ordnung, worinnen unter andern wegen des Gesindes, was sowohl den Lohn als die Zeit ihres Dienstes betrifft, ganz nützliche Vorschriften enthalten, noch die vor wenig Jahren ergangene und Poenal-Edicta, Kraft deren niemand durch übermäßigen Lohn, und was dazu gehört, das Gesinde von anderen ab und an sich ziehen, auch ohne genügsamen Beweis von dem vorigen Brot-Herrn wegen des ehemaligen Verhaltens und richtig ausgehaltenen Dienstjahren in den Dienst nehmen solle, bisher observiert, noch zum Effekt gebracht worden. Wir haben demnach über diese wichtige, zum Aufnehmen des Landes unzweifelhaft gerichtete Sache unsere Ämter insgesamt vernehmen wollen, und befehlen Euch hiermit gnädigst solches heilsame Werk, was zu Reprimierung des unleidlichen Übermuts vom Gesinde und Förderung des exzessiven Lohnes, Beschnitts, gesäten Getreides, gewissen Pacht-Pfennigs oder wie es sonst wegen prätendierter freie Versicherung der Krüge zu gewissen Zeiten und wegen des übermäßig verlangten Essens und   Unleserliche Stelle [...] geschehen mag, dienlich sind und vonnöten ist wohl zu überlegen, und was darüber, auch wie hoch Ihr vermeint, dass so wohl eines jeden Lohn und Gewiss-Pfennig als die Zeit der Dienstjahre zu setzen und zu determinieren sein möchte, imgleichen, ob es nicht gut wäre, dass teils das Gesäte, teils der Beschnitt und die Kleidung des Gesindes auf ein Gewisses an Geld, und wie hoch solches etwa nach der Billigkeit gesetzt werde,   Unleserliche Stelle [...] pflichtmäßigen Bericht nebst unmaßgeblichem Gutachten umständlich zu fernerer Verordnung, welche überall ins Werk zu richten sein wird, einzusenden.
An dem geschieht unser gnädigster Wille.

Königsberg, den 7. Novemb. 1712

  Unleserliche Stelle [...] v. Tettau

Zitierhinweis

Der König verlangt einen Bericht, wie gegen den Übermut des Gesindes und dessen Lohnforderungen vorgegangen werden könne. Königsberg, 7. November 1712In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_gmq_tjy_hrb