Inventarium des Hofes Labab

welches dem Arrendatori Christoph Poltzien bei Antretung seiner Arrende den 30. März 1715 übergeben, welches der Arrendator Christoph Poltzien bei Abtretung seiner Arrende nebst denen hiernach gesetzten Stücken völlig zu liefern schuldig ist. Nämlich:

Ein mit zwei Last einundviertzig Scheffel Korn und dreißig Scheffel Weizen vollbesätes Winterfeld

Das Sommerfeld hat er auf den Winter ganz eingestürzet gefunden, solches zu besäen sind ihm drei Last und fünfzehn Scheffel Haber, ein halber Scheffel große graue Erbsen, fünf und ein halber Scheffel kleine graue Erbsen, vier Scheffel weiße Erbsen, zwei Scheffel Bohnen und achtundviertzig Scheffel Gerste zugemessen worden.

Fünfundfünfzig Stück milchende Kühe à 5 Rtlr. das Stück taxiert. Darunter sind vier stärkere, davor der Arrendator beim Abzuge entweder vier gekalbte oder gewiß trächtige Stücke wiederliefern muß, denn 3 schon vor der Übergabe gekalbt haben.

Sechs Ochsen à 8 Rtlr.
Ein altes Boll à 6 Rtlr.
Sechs Pferde à 5 Rtlr.
Drei einjährige Ochskälbchen
Drei einjährige Kuhkälbchen
Sechs Schweine zweijährig
5 Schweine dreijährig
5 Böcke zweijährig
3 Böcke einjährig
1   Unleserliche Stelle [...]
20 Stück Gänse
Einen Hahn, zehn Hühner
Zehn Stück Enten, ein Wardt
Zehn Stück Kaldaunen, zwei Hahnen. Hierbei ist zu observieren, dass der Arrendator schuldig und verbunden, lauter alt Federvieh, als sein Gänse, Hühner p., beim Abzuge nebst denen Eiern, so da möchten vorhanden sein, aufrichtig zu lassen, auch kein jung Federvieh zu geben. Absonderlich die Gänse, da sie entweder junge Gänse oder lauter   Unleserliche Stelle [...]. Auch die gesessenen Gänse und Hühner müssen gelassen werden. Da nun vor dem 30. März 1715 sieben Stück Kälber abgesetzet worden, als muss er beim Abzuge wieder so viel Vieh liefern, die anderen Kälber aber müssen durch das Gesinde besehen(?) werden, denn viel Vieh aufs Neue gekalbet, die er alle vom 1718 Jahre an lassen muss.   Editorische Auslassung [...] Es folgen die Namen der 50 Kühe.

Dem Gesinde, als einem Knecht, zwei Mägden, ist ihr Lohn und Deputat von Martini 1714 bis zur Entrichtung der Arrende für ein Halbjahr völlig in der Pachtrechnung angenommen und abgerechnet worden. Den selben Lohn bekommen die Mägde auf dem Hofe. Der Junge soll auch die halbe Kleidung und 1 paar Schuh aus dem Hofe bekommen.

In dem Hofe sind die Fenster alle gut, die Türen und Ställe im Hofe sind alle mit eisernen Bändern und Haken   Unleserliche Stelle [...]. Das Dach ist mit Dachstroh gut belegt, aber wenig dessen verworffen. Vor die 2 Kapfenster sind holzerne Fenster mit Bänder und   Unleserliche Stelle [...].

Der kleine Schuppen mit den 6 Türen und Gang-Tür haben alle 2 Haken und eiserne Bänder. Das Dach nach Rosengarten zu ist ganz neu, nach dem Gehöft aber muss es repariert werden.

Der ältere Kuh-Schuppen hat Türen mit Läufen(?), das Dach muss ausgeflickt werden.

Das Tor auf dem Gehöfte nach Rosengarten hat 4 Haken und 4 Bänder und Überwurf, das nach dem Dorf geht auf hölzernen Läufen.

Die beiden Türen an der Scheune nach Rosengarten gehen auf hölzernen Läufen, die anderen 4 Türen an der Scheune haben eiserne Bänder und Haken und alle 6 Türen haben Haspen und Überwurf. Das Dach von der Scheune ist meistenteils ganz schlecht.

Der Kutschschuppen hat 2 Türen auf hölzernen Läufen, die kleine Tür hat Haken und Bänder. Der Kuhschuppen ist gut gedeckt und alle Gebäude gut bekoppelt.

Die Gartentür hat 4 Haken und 4 Bänder, der Zaun am Garten nach dem Felde ist ganz baufällig und soll repariert werden, die anderen 3 Seiten sind gut.

Die 2 Türen unter dem Speicher gehen auf Läufen. Die Tür, die auf den Speicher zugeht, hat ein gut Schloß, Schlüssel, Haken und Bänder. Die Kapfenster auf dem Speicher haben Haken, Bänder und Überwurf. Das Dach ist etwas abgefallen und soll repariert werden.

Die Zäune um den Garten und Felde sind ihm gut geliefert.

An dem Hirten- und Garten-Hause sind die Türen, Dächer, Fenster, Kachelofen alle gut, beim Gärtnerhaus eine Dachleiter.

An Hausgeräte

  • 2 große Bohrer
  • 1 Schneidemesser
  • 2 Wacht(?) Nagel
  • 1 Holzaxt
  • 1 paar Hammer und Amboß dafür
  • 1 gute Sense
  • 2 schlechte Sensen
  • 5 Stück Sicheln
  • 1 Hechselmesser und 2 Ringe nebst 2 Hechselladen
  • 3 Paar Locheisen und 3 Podimen(?)
  • 4 beschlagene Bracken(?)
  • 4 Paar Zäume mit besten Stricken
  • 2 Jagdleinen
  • 7 Schlösser an den Scheunen, alle gut
  • 2 Wagen mit allem Zubehör, davon einer ganz neu, der andere gut
  • 1 Wagen von Stawken, gut
  • 12 Stück Milchtöpfe
  • 2 Holzschlitten
  • 5 Milch Stüppel
  • 1 Schrag
  • 3 Butter Fässer so gut repariert
  • 1 gläserne Laterne
  • 1 Spaten
  • 1 Milch Rawde(?)
  • 1 Grütz Stampe samt der Keul
  • 2   Unleserliche Stelle [...] Tonnen
  • 1 halbe   Unleserliche Stelle [...] Tonne
  • 2 Tische
  • 2 Bänke um den Tisch
  • 2 Schaffe in der Mauer in der kleinen Stube
  • 1 Schaff in der großen Stube
  • 1 kupferner Kessel, wieget 19 1/2 Pfund ohne den eisernen Ring, d. 20. Jan. 1715 ist darin ein neuer Boden gemacht
  • 1   Unleserliche Stelle [...] zu Weiten, schon gebraucht
  • 1 guter Schleifstein
  • 2 Eggen mit 59 guten Zinken
  • 1 halben
  • 1 quarter zur Butter
  • 1 halb quarter
  • 1 kleine Mulde
  • 1 beschlagener Königsberger guter Scheffel
  • 1 Quirl
  • 4 Stück Achsen
  • 1 wollenes Unterbett und 1 Stück von Stawken
  • 2 neue hölzerne Holtzflaschen zur Milch
  • 1 Futterkorb

Abgeschriebenes Inventarium ist in zwo Hof Exemplariis beschrieben und eines ihro Hochgräfl. Exellence der Frau Gräfin von Lehndorffen, das andere Exemplar dem Arrendatori Christof Poltzien, welcher dawider was darinnen spezifiziert nichts zu sagen gehabt, und alles gut überliefert worden, eingehändigt, und von beiderseits Kontrahenten unterschrieben worden,

Steinort, den 30. März 1715

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M. E. v. Lehndorff

 eigenhändig
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Christof Poltzien

Es folgt der „Anschlag von Labab Ao. 1715‟ . Danach bestand die Ausstattung mit Saatgut aus 2 Last 41 Schfl. Korn, 30 Schfl. Weizen, 48 Schfl. Gerste zur Winter- und Sommersaat, 12 Schfl. Erbsen und Bohnen und 3 Last 15 Schfl. Hafer. Davon war der Ertrag das zweite Korn:

5 Last 22 Schfl, Korn a 50 Gr. 536 Fl. 20 Gr.
1 Last Weizen à 2 Fl. 120 Fl.
1 Last 36 Schfl. Gerste à 40 Gr. 128 Fl.
24 Schfl., Erbsen und Bohnen à 5 Gr. 40 Fl.
6 Last 30 Schfl. Haber à 20 Gr. 260 Fl.
Von 50 Kühen die Pacht à 20 Tlr. die Kuh 666 Fl. 20 Gr.
1751 Fl. 10 Gr.

Hiervon gehen ab:

an Lohn dem Hofmann 50 Tlr., 1 Knecht 18 Fl. 86 Fl. 18 Gr.
2 Mägde 18 Fl. 18 Gr., 2 Gärtner 20 Tlr., 1 Hirte 5 Tlr. 30 Fl.
18 Schfl. Korn dem Hofmann à 50 Gr. 1 Fl. 10 Gr.
1 Schfl. Gerste demselben 4 Fl. 20 Gr.
1 Schfl. Haber und 5 Schfl. zum Mastschwein à 20 Gr. 4 Fl. 20 Gr.
1 Schfl. Erbsen à 50 Gr. 1 Fl. 20 Gr.
1 Tonne Bier 10 Fl.
Vor Licht 4 Rtlr. 2 Fl. 20 Gr.
4 Tonnen Tafelbier 4 Fl.
1 Schaff 2 Fl.
2 Paar Schuhe und 1 Paar Strümpfe der Hofmeisterin 2 Fl. 24 Gr.
1 Haut zu Stiebeln 2 Fl.
1 Tonne grob Salz 11 Fl.
5/8 fein Salz 6 Fl.
auf 4 Gesinde Deputat Korn 32 Schfl. 53 Fl. 10 Gr.
4 Schfl. Gerste 5 Fl. 10 Gr.
9 Schfl. Haber mit dem zur Mästung 6 Fl.
2 Schfl. Erbsen 3 Fl. 10 Gr.
1 Seite Speck dem Gärtner 3 Fl.
1 Sch  Unleserliche Stelle [...] 1 Fl.
14 Stoff Salz 1 Fl. 11 Gr.
4 Schock Käse 2 Fl. 20 Gr.
4 Stof Butter 2 Fl. 12 Gr.
5 Schfl. Korn dem Hirten 8 Fl. 10 Gr.
1/2 Schfl. Erbsen 25 Gr.
1 Schfl. Gerste 1 Fl. 10 Gr.
1 Schfl. Haber 15 Gr.
1 Stof Butter 18 Gr.
3 Stof Salz 15 Gr.
1 Schock Käse 20 Gr.
8 Tonnen Tafelbier 8 Fl.
1 Deputat Kuh dem Hofmann und Gesinde 13 Fl. 10 Gr.
20 Schfl. Korn des Gärtners 33 Fl. 10 Gr.
2 Schfl. Gerste 2 Fl. 20 Gr.
2 Schfl. Haber 1 Fl. 10 Gr.
2 Schfl. Erbsen 3 Fl. 10 Gr.
Noch allerhand Eisenwerk und Geschirr 20 Fl.
338 Fl. 18 Gr.
Soll geben 1751 Fl. 10 Gr.
Hiervon gehen ab 338 Fl. 18 Gr.

bleiben übrig

1412 Fl. 22 Gr.

Zitierhinweis

Inventar des Hofes Labab und Pachtvertrag für Christoph Poltzien. Labab, 30. März 1715. In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_hnh_lfd_vpb