Actum in Groß Steinort den 24. Mart. 1740

Denjenigen, so auf einige ledig gewordene Erben der Dörfer hiesiger Herrschaft angesetzet werden sollen, ist gestrigen Tages bereits angedeutet worden, sich allhier im Hochgräfl. Hofe einzufinden, um über alles den eigentlichen Willen Ihro Hochgräfl. Gnaden, der Frau Reichsgräfin von Lehndorff Hochgeboren zu vernehmen. Es erschienen demnach

1. Michel Scheimann, des Bauern von Labab stetigen Namens Sohn.
Demselben wird wiederholentlich angekündigt, dass er des unglücklich versoffenen Jan Guseck Erbe von 2 Hufen im Dorf Stobben annehmen und noch vor Ostern und bald Anfangs künftigen Monats Aprilis sich auf das Erbe begeben müsse, damit er zeitig vor dasjenige, so dabei zu tun vorkomme, sorgen könnte.
Michel Scheimann stellet dagegen für, wie er zur Zeit nicht geheiratet, dazu auch keine Lust bezeige, den Willen und Befehl seiner gnädigen Herrschaft wollte und müsste er erfüllen, ist aber besorgt um den Unterhalt und die Sommersaat und will denn hoffen, dass ihm einige Freiheit vom Zins zustatten kommen würde.
Ihm wird geantwortrt, dass er den Besatz erhalte, und wären auf dem Erbe 1 Kuh, 2 Ochsen, 3 St. Pferde. Das Winterfeld wäre besät, der Verunglückte hatte es vor sich bestellt, wäre also kein Zweifel an guter Bestellung, an Sommersaat wären von dem toten Jan Gusek allein aufgeschüttet 2 Schfl. Gerste, 2 Schfl. Erbsen und 14 Schfl. Haber, in der hiesigen Herrschaft wäre es gewöhnlich zum Besatz 9 Schfl. Gerste, 2 Schfl. Erbsen und 15 Schfl.   Unleserliche Stelle [...] auf 2 Hufen zu   Unleserliche Stelle [...], man verspreche ihm also, diese bis auf Aprobation Ihro Reichsgräfl. Gnaden zu reichen. Freijahre könnte er nicht   Unleserliche Stelle [...], weil er die Gebäude im Stand, den gewöhnl. Besatz und Aussaat bekommen.
Er bringt eines bei seinem Vater erzogenes Pferd mit, welches ihm also zustehen kommt.
Findet auf dem Erbe

  • 1 Wagen, davon zwar die Vorderräder schlecht, es sind aber vier Hinterräder, da er sich denn helfen müsse.
  • 2. vier Zochen, die   Unleserliche Stelle [...]eisen sein sonst brauchbar, außer dasselbe vorgelegt werden müssen
  • 3. Eggen, wiewohl keine darunter, so eiserne Zinken haben soll.

Was er sonst erhalten wird an Hausgerät soll beschrieben werden.

Neben den Hufen des „unglücklich versoffenenen“ Jan Gusek in Stobben, die Scheimann aus Labab erhielt, bekam Joreck Jascheck „alias Kalmuck“, bisher Gärtner in Labab, die Stelle und das Haus des entlaufenen Michael Masuch in Serwillen, Jan Mizka, Gärtner aus Klein Steinort, war auf dem Erbe des Mozarzik in Stawisken angesetzt worden. Veit Kruschinski aus Taberlack, der ein freier Mann war, hatte eine wüste Stelle in Rosengarten übernommen und Jacob Masuch aus der Ehe des Pollaschke mit der Witwe Masuch hatte die  Dorothea Kopitcko
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Tochter
des Kopitko geheiratet und ebenfalls einen Hof in Taberlack übernommen. Alle waren mit sog. Besatz ausgestattet worden und hatten dafür im Hof Steinort quittiert.

Zitierhinweis

Michel Scheimann soll auf eine wüste Hofstelle in Stobben gesetzt werden. Steinort, 24. März 1740In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_kjb_kjv_kqb