Editorische Auslassung [...] Der berüchtigte Blutsauger Schlesiens, Herr v. Schlabrendorf, stirbt mit Hinterlassung von über einer Million, die er dem armen Schlesien abgenommen und vorsichtigerweise in Staatspapieren in England untergebracht hat. Der König ist von alledem unterrichtet. Man war erst sehr gespannt darauf, wer den erledigten Posten bekommen werde. Es war von Hagen und Knyphausen die Rede, S. Majestät ließ jedoch einen Herrn v. Hoym aus Kleve kommen, machte ihn zum Staatsminister mit 14.000 Talern Gehalt und setzte ihn auf den Posten in Schlesien. Der Mann ist erst 30 Jahre alt. Vor 19 Jahren schlug man ihm noch eine Kornettstelle im Regiment Gendarmes ab; aus lauter Verzweiflung schlug er eine andere Laufbahn ein, wurde Kriegsrat in Breslau, heiratete ein Fräulein v. Dyhern, wurde vor einem Jahr Kammerpräsident in Kleve und jetzt ist er plötzlich in die höchste Stellung eingerückt. Man beneidet ihn um diesen Posten. Er soll ein rechtschaffener Mann sein, und wenn dem so ist, wird es ihm viel Schmerz bereiten, eine so schöne Provinz so grausam leiden zu sehen. So hat man vor einem Jahr auch Goltz beneidet, als er als Gesandter nach Frankreich kam. Man hielt sich über das Glück dieses jungen Mannes auf, und jetzt ist er wieder da, nachdem er sich in dieser kurzen Zeit ruiniert hat, und wird obendrein noch von dem König kühl behandelt. Dieser hat nach seiner Rückkehr noch gar nicht mit ihm gesprochen.   Editorische Auslassung [...]

Zitierhinweis

Tagebucheintrag von Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff. Berlin, Januar 1770. In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_lyf_pzt_vdb