Da Johann Thomas Bauer, der bei hiesiger Hochburggräflichen Herrschaft zu Dohna-Reichertswalde als Jäger in Diensten gestanden, ein alhier ganz unsträflich geführtes Leben darzutun sich unter anbei Scheingründen auch auf mein ihm bei seiner Abreise erteiltes Attest beruft, kann nicht umhin, bei jetzt erfordernden Umständen desfalls folgendes der Wahrheit gemäß gewissenhaft zu erinnern:

Es hat zwar vorgemeldeter J. T. Bauer als ein äußerliches Mitglied unserer Reformierten Kirche sich beides zum Gebrauch des H. Abendmahls als auch des Wortes Gottes gehalten, und auch die letzte Zeit wegen seiner Abreise etwas anständiger betragen. In Ansehung seiner traurigen Aufführung aber hat er sich öfters als ein unwürdiges Glied unserer Kirche bewiesen, indem er der Trunkenheit so ergeben gewesen, dass er selbst auch gegen die Zeit der H. Kommunion damit Ärgernis gegeben, Schlägerei und andere Unordnungen angerichtet, und also dadurch öfters verdient, abgewiesen zu werden, wo man ihn nicht stets noch mit großer Geduld getragen, und er nicht auf mein verschiedenes sowohl besonders als öffentliches Vermahnen und Bestrafen jederzeit Besserung in seinem ganzen Wandel angelobt hätte.

Wie nun ihn hieran nachmals bei seiner Abreise erinnert, so hat er nicht nur solches, sondern dabei freiwillig auch noch dieses versprochen, dass er so viel nur möglich mit ehester wieder sich auf seine Rückreise begeben und sowohl seiner bisher gnädigen Herrschaft, die ihm unverdienter Weise so vieles nachgesehen, ferner und besser dienen, als auch sein Eheverlöbnis, welches er in meiner Gegenwart gegen seine zurückgelassene Braut bekräftigt, vollziehen wolle. Wenn er aber durch sein Ausbleiben in diesen letzten beiden Stücken so reuelos handelt, lässt sich auch von seinem übrigen Versprechen wenig Aufrichtigkeit des Herzens vermuten. Wie nun solches inniglich beklage, so wünsche ihm zur verhofften Regung eines Gewissens die Gnade dessen, an der Herzen und Nieren prüfet und einen Gräuel hat an allem falschen.

Reichertswalde den 15. Oktobr. 1748

J. H. Cöper S. D. M.

Zitierhinweis

Pfarrer Cöper stellt dem Jäger Bauer ein schlechtes Zeugnis über sein Benehmen und seine Religiosität aus. Reichertswalde, 15. Oktober 1748In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_lyy_lmb_3rb