„Bemerkungen über die persönlichen Verhältnisse der Gutsherrn und ihrer Hintersassen in Ostpreußen und Litauen, über die Rechte der letzteren an ihren benutzten Grundstücken und über die Austuung der Bauernhuben zum Eigentum oder in Erbpacht, nach Maßgabe der Verordnung vom 14. Februar 1808 § 6 Litt. B“

1. Das persönliche Verhältnis der Eingesessenen zu ihren Gutsherren begründet entweder ihr Stand oder der Besitz der Grundstücke, der ihnen übertragen ist. Ersteres beruht

2. auf der Eigenschaft als Gutsuntertan, und diese besteht in nichts weiter, als in der Verpflichtung, das Gut, mit dem der Eingesessene in der Art verbunden ist, ohne die im Gesetz ausdrücklich bestimmten Fälle nicht zu verlassen, sondern sich darauf durch die verschiedenen ländlichen Erwerbsarten zu ernähren, und entweder nach dem Kontrakt oder nach der Ortsgewohnheit oder nach dem Gesetz seine Pflichten zu erfüllen.

  Anmerkung des Autors (innerhalb der Zeile)Provinzialrecht Zusätze 108-115-123 Allgemeines Landrecht Part 2. Tit. 7 SE3 §§ 87-548

Von diesem Untertänigkeit Verbande darf jetzt nicht weiter die Rede sein, da solches mit Ableben d. J. ganz aufgelöst wird, mithin die hieraus herzuleitenden wechselseitigen Pflichten gehoben sind.

Aber auch ohne diese Untertänigkeit oder eigentlich Gutspflichtigkeit entstehen

3. aus der Aufnahme in ein Gut gesetzliche Pflichten des Aufgenommenen. Hierher gehören, was den Zweck dieses Aufsatzes betrifft,

a. das Recht des Gutsbesitzers, von seinen Eingesessenen zu fordern, sich zur Gutsmühle zu halten   Anmerkung des Autors (innerhalb der Zeile)Allg. LR P. 1. Tit. 22 §§ 25. 27. 28. 29. oder nach dem neuen Gesetz ihn zu entschädigen,

b. das Recht zu fordern, dass der Eingesessene das Getränke von ihm nehme   Anmerkung des Autors (innerhalb der Zeile)C. C. § 59.,

c. dass der Eingesessene sich zu Diensten im Gut vorzüglich verstehe, der Handwerker mit seinem Handwerk und der Tagelöhner als solcher, und

d. dass er die zum Dienen Fähigen und dazu gewidmeten Kinder hier vorzüglich vor anderen Orten dienen lasse   Anmerkung des Autors (innerhalb der Zeile)Gesinde-Ordn. vom 10. Sept. 1784 Cap. 1 § 2. Allg. LR P. 2 Tit. 7 §§ 113. 118-120. 182-184.

Dieser Gesindezwang liegt nicht nur in der allgemeinen Pflicht jeder Obrigkeit und jedes Vorgesetzten, den Müßiggang zu steuern und die Einsassen zur Arbeit anzuhalten   Anmerkung des Autors (innerhalb der Zeile)Allg. LR LC Tit. 20 § 1. 4.,

sondern er ist auch umso billiger, als die Gerichtsbarkeit des Wohnorts der Letzteren die Kosten übernehmen muss, wenn die auswärts dienenden Kinder ihrer Einsassen Kriminalverbrechen begehen, welches unbillig wäre, wenn dem Gutsherrrn der Eltern und deren Vorgesetzten durch Wegschickung der Kinder in auswärtige Dienste die Mittel genommen würden, sie in ihren Handlungen zu beobachten, vom Bösen abzuhalten und den Verbrechen vorzubeugen.

4. Sämtl. adl. Gutshuben sind ihren Erwerbern als freie Ritterhuben mit überall gleichen Rechten verliehen, und es war ursprünglich ganz der Willkür der Beliehenen überlassen, sie entweder selbst mit eigenem Gesinde zu bewirtschaften, oder solche mit kleinen bäuerlichen Wirten zu besetzen; gerade so, wie jetzt die Domainen-Amts-Vorwerkshuben ausgetan werden. Die Landesregierung bekümmerte sich um die innere Wirtschaftsart der Privat-Güterbesitzer nicht, sondern überließ solche lediglich dem Gutsbefinden der Letzteren, daher dann auch diese nach der Notdurft der Umstände Vorwerksländereien an kleine bäuerliche Wirte entweder von neuem austaten oder früher ausgetane, wenn die Kontrakte nicht entgegen waren, zum Vorwerk wieder einzogen.

5. Nun erst durch die Verordnung vom 12. Aug. 1749 wurde es bei Geldstrafe verboten, die einmal ausgetanen(?) Bauernhuben zu den Vorwerken ohne höhere Genehmigung anzuziehen, und sie sind in den Kontributions-Katasters ihrer Anzahl nach verzeichnet. Das Ostpr. Prov. Recht lautet über das Verbotgesetz im Zusatz 106 folgendergestalt:

Veränderungen bäuerlicher Besitzungen, durch Einziehung der Stellen, und der dazu gehörigen, oder durch Zusammenschlagung derselben, dürfen ohne Genehmigug der Krieges- und Domainen-Kammer nicht vorgenommn werden.

6. Wegen der denen Besitzern nach Nr. 4 zugestandenen uneingeschränkten Befugnis, ihre Güter so zu besitzen und zu benutzen, wie die Landesherrschaft selbst sie besessen und genossen, oder besitzen und genießen können, ist es denn auch gekommen, dass in sehr vielen ansehnlichen Gütern bis jetzt gar keine bäuerlichen Wirte existieren, sondern solche mit Gesinde und Tagelöhnern bewirtschaftet werden.

7. In Ostpreußen und Litauen gehört in der Regel das Eigentum der Bauerngüter, der Gebäude und des Besatzes der Gutsherrschaft. Im Ermlande hingegen gehört in der Regel das Eigentum der Gebäude dem Untertan oder Bauernwirt und nur das Eigentum der Güter und des Besatzes der Herrschaft.   Anmerkung des Autors (innerhalb der Zeile)Zusatz des Provinzialrechts 116.

8. Auch das im Allg. LR Part. 1 Tit. 21 § 626-680 beschriebene Recht der bäuerl. Besitzer ist in Privat-Gütern in Preußen eine ganz unbekannte Sache und der Provinzial-Verfassung sowie dem gewöhnlichen Verfahren völlig zuwider, denn wenngleich der Gutsherr das Recht hat, den Sohn des verstorbenen Wirtes, jedoch nur dann, wenn dieser ein Untertan war, auf das väterliche Gut zu setzen, so beruhte dies doch klar auf dem persönlichen Recht des Gutsherrn - gegen den untertänigen Nachkömmling, welcher bald aufhören wird, und die adl. Gutsbesitzer haben sich vor Emanierung des Allg. LR stets in dem Besitz der Befugnis befunden, wenn in den Kontrakten oder Besatzbriefen keine bestimmte Zeit, wie lange der Besitz dauern soll, verabredet, oder gar keine Kontrakte errichtet worden, das Bauernerbe nach eigener Willkür abzunehmen. Nun erst nach den Verhandlungen mit den Ständen über das Provinzial-Recht ist es mit Bewilligung der Ständischen Deputierten dahin reguliert,

dass eine solche unbestimmte Besitzzeit 3 Jahre dauert und bei nicht erfolgender 6 monatlichen Aufkündigung nur auf 1 Jahr verlängert gerechnet werden solle, jedoch bei dem Absterben des Bauern der adl. Gutsbesitzer auch während der 3 Jahre befugt bleibe, das Gut mit Ablauf des Wirtschaftsjahres zurückzunehmen. Hierauf gründet sich der gleichlautende Zusatz im Prov. R. Nr. 80.

9. In den königl. Domainen-Dörfern ist aber durch die Allerh. Kabinetts-Ordre vom 2. Febr. 1777 und durch die nachherigen, darauf sich gründenden Erweiterungen die in dem Zusatz des Prov. Rechts sub Nr. 82 enthaltene Zessions-Ordnung eingeführt, welche, als außer dem Zweck dieses Aufsatzes, übergangen werden kann.

10. Außer denjenigen, welche auf den Grund schriftlicher und in foro   Unleserliche Stelle [...] sitae verlautbarten Kontrakten,

denn ohne solche waren alle Verhandlungen über ein Grundstück nach den Vorschriften des alten Preuß. Landrechts P. 2. Lib. 4. Tit. 6. Art. 7. § 1. pag. 112. Art. 11. § 7. p. 119 Tit. 9 Art. 1. § 2. § 154. unbündig und von keinen Kräften, und

ihre Grundstücke eigentümlich entweder zu kölmischen und preußisch frei oder nur zu Erbzins, Erbpacht, Erbvergleich und anderen dergl. unwiederruflichen Rechten erworben haben, gibt es folgende bäuerliche und kleine Einsassen in den Gütern, welche gemeinhin und erstgedachte nur als seltene Fälle vorkommen:

a. Zinsbauern

Dies sind freie oder untertänige Wirte, die die Grundstücke, nämlich Wohnung, Wirtschaftsgebäude, Garten und Acker, mit herrschaftlichem Besatz wie Zeitpächter gegen einen bestimmten Zins an Geld, bestimmte Dienste und Naturalabgaben innehaben. Ihre Dienste sind entweder nach Tagen oder Ackerflächen oder nach beidem oder auch nach zu verrichtenden Arbeiten festgesetzt, z. B. sie präparieren eine gewisse Anzahl Morgen zu den verschiedenen Saaten, befahren einen gewissen Teil des Ackers mit Dünger, leisten bestimmte Fuhren, arbeiten gewisse Tage auf bestimmte Art beim   Unleserliche Stelle [...], Bau pp., kurz sie leisten im Sinne des Gesetzes gewisse Dienste. Sie tragen die ordinäre und extraordinäre Kontributionen, hierunter den Kopf-, Horn- und Klauenschoss nach der Anzahl ihrer Familien, den Hausgenossen und des zu haltenden Viehs, die Kirchen-, Prediger- und Schulen-Abgaben, leisten die Sozietäts- und Kommunallasten, Landeslieferungen und Fuhren, alles nach Verhältnis der Größe ihres Grundstücks, auch wenn die Forderungen nicht auf die Person gelegt, sondern als eine Reallast ausgeschrieben wird. Diese Zinsbauern sitzen nach Maßgabe ihrer Kontrakte und Vereinigungen mit dem Gutsherrn öfters in ein ebendemselben Gut mit ungleichen Bedingungen, je nachdem das Grundstück des einen oder des anderen wegen besonderen Realitäten, z. B. wegen mehrerer Wiesen, besserer Ackerplätze oder Zugaben an Acker, Weide pp. im Vorzuge oder Zurücksein sich befindet. Sie haben auch zuweilen keinen Gutsherrschaftlichen Besatz an Aussaat, Vieh, Acker und Wirtschaftsgerät.

b. Scharwerksbauern

Dies sind wenige Fälle, ausgenommen größtenteils untertänige Wirte, welche gleichfalls Grundstücke nach der Bezeichnung unter a., aber jederzeit mit komplettem Besatz, nämlich mit der Garten- und Ackeraussaat, Betrieb- und Nutzvieh, Acker- und Zinsgerät übernommen haben, und hierfür gegen die Zinsbauern unter a. einen unbedeutenden baren Zins und Abgaben entrichten, dagegen verbunden sind, mit dem herrschaftlichen Inventarium oder auch bloß mit Handdiensten zu sämtlichen, im Gute vorfallenden herrschaftl. Arbeiten in den Werktagen sich zu gestellen; nur muss ihnen in jeder Woche so viel Zeit übriggelassen werden, als zur Bearbeitung ihrer Wirtschaftsnotdurft erforderlich ist. Über die Scharwerkstage in der Woche und über die den Scharwerksbauern gelassene Zeit zur Arbeit in ihrer Wirtschaft sind verschiedene Einrichtungen in den Gütern, welche von mehreren Ortsumständen, zum Teil aber auch davon abhangen,  hier fehlt das Verb
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ob der Gutsherr im Stande ist, dienstpflichtiges Gesinde zur Annahme des Dienstes
, und ob die Mehr- oder Minderzahl der Bauern und die gutsherrliche Mithilfe zu den vorfallenden Arbeiten mehr oder weniger disponible Scharwerkstage erfordern, wonach dann auch der stipulierte Zins abgemessen wird. Diese Einsassen leisten als Dienst sogenannte ungemessene Dienste. In Absicht der ordinären und extraordinären Kontributionen, Kirchen-, Prediger- und Schulen-Abgaben , Societäts- und allgemeinen Lasten, Lieferungen, Fuhren und überhaupt aller öffentlichen Lasten stehen diese Scharwerksbauern mit den unter a. in gleichem Verhältnis, außer, dass die Fuhren und Dienstleistungen, da solche nur mit herrschaftl. Gespann verrichtet und Spannwerkstage dadurch verloren gehen, immer dem Gutsherrn zur Last fallen.

c. Instleute

Diese Freie oder Untertänige erhalten als Mietsleute und Tagelöhner Wohnung, Stall und Garten, zuweilen einige Scheffel(?) Beisaat auf dem Vorwerksacker, ein Stück Wiese zum Heu machen, einen Gelaß zur Aufbewahrung des Heuschnitts, sie zahlen Haus und Gartenmiete, für die Beisaaten im Vorwerk und für das, was ihnen sonst noch zur Nutzung überlassen wird; auch liefern sie nach Maßgabe der an dem Orte ihres Aufenthalts zulässigen Nutzungen verhältnismäßige Naturalien, z. B. eine gewisse Quota an Federvieh, von den benutzten Walderzeugnissen, ferner die Hilfskontribution an Kopf-, Horn- und Klauenschoss, leisten bestimmte Handdienste (selten über 8 Tage des Jahres) und bestimmte Arbeiten, z. B. das Weib etwas Gespinst; ohnentgeldlich für das mehrere der von ihnen geforderten Dienste und Arbeiten, wozu sie bereit sein müssen, erhalten sie entweder das kontraktmäßige oder in der Gesindeordnung d. a. 1784 bestimmte oder ortsübliche Tagelohn, und dreschen für den 10. oder 11. Scheffel. Diese sind nach der Gesindeordnung vom Sept. 1784 verbunden, wenigstens 3 Jahre an dem Orte, wo sie Kontrakt genommen, zu bleiben, wenn auch keine Zeit verabredet wäre.

d. Gärtner oder  Kossäten?
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Kathäger

Sie erhalten Wohnung, Stall und Garten, zuweilen Beisaaten in den Vorwerksfeldern, die sie mit herrschaftl. Angespann sich bestellen, genießen für eine eigene Kuh herrschaftl. Futter und das in der Gesindeordnung bestimmte Lohn und Deputat, sie sind von allen Abgaben an die Herrschaft frei, gehen aber täglich zur Arbeit.

e. In den Kontrakten und den Vereinigungn mit den unter a. b. c. benannten Einsassen wird sehr oft, um die jährl. Konsignationen zu vermindern, ein Pausch-Quantum über die ordinäre königl. Kontribution verabredet, und in den jährl. den Gutsherren zu zahlenden Zins aufgenommen. Dies interssiert die Kontributionsbehörden nicht, weil sie die ein vor allemal auf das Gut gelegte Kontribution bloß vom Gutsherrn erheben und sich dieserhalb nur an ihn halten.

f. In den Domänen und Forstämtern gibt es auch Chatoul- und Beutner-Bauern, Hochzinser, Assekuranten(?), Erbkätner, Erbgärtner pp. auf den Grund der Kontrakte hierüber, die übergangen werden können.

11. Durch den Ausdruck Losbauern werden in diesen Provinzen bäuerliche Wirte bezeichnet, welchen das Land nicht erblich gehört, es finden also die etwaigen entgegengesetzten  lassitischen
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lassischen
Verhältnisse in dieser Provinz nicht statt.

Regelung des Kriegsschuldenwesens der Provinz Ostpreußen und Litauen und der Stadt Königsberg insbesondere betreffend von 23. Febr. 1808 § 51.

12. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Kontrakten mit ihren Wirten über die unter 10. Lit. a. b. c. d. benannten Stellen die Bedingung, unter welchen sie auszutun, bloß dem freien Übereinkommen der Kontrahenten überlassen bleiben muss, und es ist dem Gutsherrn nie verwehrt gewesen, sein Eigentum auf die bestmögliche Art herauszubringen. Um aber in Absicht des Untertans, der nach den älteren Gesetzen und nach den Vorschriften des Allg. LR P. 2 Tit. 7 §. 181. gezwungen war, eine dergleichen Stelle, besonders durch Nr. 10 Lit. B anzunehmen, alle Einseitigkeit zu entfernen, so entstand der Zusatz des Prov. Rechts 109, welcher also lautet:

Bei Wiederbesetzung solcher Stellen, die entweder eigentümlich noch erblich besessen worden, ist die Herrschaft an die bisherigen Bedingungen nicht gebunden, aber auch künftig nicht berechtigt, den Untertan zur Annahme einer Stelle unter schwereren Bedingungen anzuhalten, als unter welchen sie der zuletzt abgegangene untertänige Wirt besessen hat.

13. Durch die Kalamitäten des Krieges, durch die daraus erfolgenden ansteckenden Krankheiten unter den Pferden, unter dem Betrieb- und Nutzvieh, bei den vom Feinde verzehrten Feld- und Gartenfrüchte und wegen Mangel an Wiederaufrichtungsfonds liegen die Äcker der Grundstück 10 a. und b. mehr oder weniger gänzlich unbesät, die Gebäude zerstört und von Menschen verlassen, bei Ablauf der Untertänigkeitsverpflichtung wird gewiss ein großer Teil der Einsassen, wenn auch nur, um von dem Recht Gebrauch zu machen, von ihren Stellen abziehen, und die Stellen unter 10 Lit. b werden in solche, wie sie unter Nr. 10 Lit. a. beschrieben wurden, also der Scharwerksbauer zum Zinsbauer, umgeschaffen werden müssen. Wenn bei diesen widrigen Umständen durch eine neuerliche Festsetzung E. Königl. Ministerii des Innern angeordnet worden, dass die Gutsbesitzer diese Stellen sofort zu retablieren oder zu gewärtigen haben, dass solche nach Maßgabe der Verordnung vom 14. Febr. 1808 § 6 Lit. b zum eigentümlichen Besitz oder in Erbpacht, ohne Dienstmühlen und Getränkezwang, ausgetan werden sollen, so kann eine solche Festsetzung nicht anders als die Gutsbesitzer im höchsten Grade beunruhigen, denn

a. schmerzt es sie, dass ihre Not bei keinen, auch nicht der billigsten ihrer Bitten beachtet worden,

b. beunruhigt sie obige Festsetzung, weil sie durch kein einziges unerlaubtes Faktum sich straffällig gemacht habe, und dennoch jetzt zur Zeit, wo sie sich einer zu erhaltenden Unterstützung schmeichelten, eine härtere Strafe leiden sollen, als je auf den Fall der willkürlichen Einziehung der Bauernhuben gesetzt gewesen. Die gesetzliche Folge der vorsätzlichen ...

c.

d.

e.

f. ... Bitten übergeht, so erfordert alles dieses einen Aufwand, dessen Unerschwinglichkeit ohnfehlbar an einem oder dem anderen Orte ein Zurückbleiben mit dessen für die Ackerkultur nachteiligen Folgen hervorbringen muss.

g. Diese unter f. angeführten Nachteile und besonders auch die auf den adl. Gütern durch Aufhebung der Untertänigkeit entstehende Entvölkerung zu entschädigen, geruhten S. Majestät durch die Allerhöchste Kabinetts-Resolution d. d. Memel den 3. Sept. 1807 denen Gutsbesitzern die freie Disposition über ihre Bauernländereien huldreichst zu verheißen, und durch das Edikt vom 9. Okt. 1807 § 6. ist diese wohltätige höchste Zusage wiederholt. Nun soll sie der Kultur und Bevölkerung nicht hinderlich sein. Es kann diesseitig hierüber hauptsächlich nur das gesagt werden, was man vor Augen und in dieser traurigen Epoche erfahren hat. Bei der Bewirtschaftung der Vorwerksäcker sieht man sehr ausgebreiteter ökonomische Übersicht, Kraft und Ordnung, die Beförderungsmittel guter Kultur, als bei den kleineren Wirten. In der verflossenen Zeit der Not waren nur die Gutsbesitzer, Domainen-Amtspächter und größeren Eigentümer im Stande, Zwangsdarlehen, extraordinäre Kontributionen und dergleichen Ansprüche zu befriedigen, die kleineren haben nicht die Ressourcen, aus welchen einer den andern aushielt, man sieht, wie wichtig eine solche und Ausdauer und Wiederherstellung ist und wie wohltätig die Hälfte einer halb ruinierten Wirtschaft der völlig zerstörten werden kann, wenn beide einem gemeinschaftlichen uneingeschränkten Eigentümer und Disponenten unterworfen sind. Die Zerstückelung eines Gutes unter kleine Eigentümrn setzt jeden außer Verbindung mit dem anderen und unabhängig vom Gutsherrn, bei jedem Unglücksfall bleibt der Verunglückte, gemeinhin auch noch mit früheren Schulden belastet, einzeln hilflos stehen.

Die seit kurzem gestiegene Neigung der Gutsbesitzer zur eigenen Wirtschaftstätigkeit hat schon ihre gesegneten Folgen gezeigt, sie scheint also mehr Aufmunterung als Unterdrückung zu verdienen, denn sobald die Gutsbesitzer kein unmittelbares Interesse an der Kultur des Bodens, sondern nur für die prompte Einziehung der Renten zu sorgen haben werden, so wird dies gewiss nicht bloß auf die Kultur des Bodens, sondern auch auf die Einsassen selbst, an die solchergestalt nichts zurückkommt, nachteilig wirken, und welche Wirtschaftshindernisse kleine Erbländereien neben den Vorwerkeb hervorbringen, beweisen die Gemeinheiten, welche jeder Kulturverbesserung im Wege sind, dass es aber dieser Verbesserung in Preußen sehr bedarf, ist notorisch. Da es, wie schon erwähnt, in Preußen sehr viele ansehnliche Güter gibt, welche keine Bauern, sondern nur Einsassen nach Nr. 10 Lit. c. und d. haben, so kann ihre Vergleichung mit Bauerngütern zeigen, dass die Volksmenge in den Gütern auf gedachte Art, wo nicht die in den Bauerndörfern bei weitem übersteigt, so doch ihnen gewiss gleichkommt. Dies ist natürlich, da aus einer Bauernstelle sub 10 Lit. a und b. zwei, drei bis vier paar Instleute mit den Zuschüssen der Gutsherrschaft an Tagelohn, Drescherverdienst pp. gehalten werden können, und diese Leute in ihren Einkommen sicher sind, weil es ihnen an Arbeit, je mehr sich die Wirtschaft der Gutsherrschaft ausbreitet, nicht fehlen kann. Die Gutsbesitzer würden gewiss diese gegen sie getroffenen Festsetzungen mit stiller Unterwürfigkeit übergehen, wenn sie solche nicht als ein bleibendes Haupthindernis ihrer Wirtschaftsstellung ansehen müssten; sie haben die Sachen von allen Seiten erwogen, und daher beim Gen. Landtage im Mai 1809 folgende Anträge gemacht:

1. dass denen Gutsbesitzern freisteht, die eine Hälfte des Bauernlandes zum Vorwerk einzuzehen oder sonst darüber zu disponieren, wenn er nur die andere Hälfte nach der in der Verordnung bestimmten Größe für bäuerliche Besitzer konserviert,

2. dass er jedoch nicht schulig sein solle, die bleibende Hälfte des Bauernlandes erbpachtsweise und unter den vorgeschriebenen lästigen Bedingungen auszutun, sondern solche, wie bisher, in Zeitpacht überlassen könne,

3. dass die Gutsbesitzer in Absicht der Disposition über diejenigen Bauernhöfe, welche durch den Krieg dergestalt ruiniert sind, dass ihre Besitzer die Höfe verlassen haben, ganz und gar nicht einzuschränken, sondern ihnen vielmhr die Zuschlagung zum Vorwerk oder Wiederansetzung neuer bäuerlicher Familien auf Erbe und Zeitpacht gänzlich zu überlassen,

4. dass jedoch da, wo der Krieg zuvor Verwüstungen angerichtet hat, die Familien sich aber noch auf ihrem Platz einstweilen als Instleute erhalten haben, eine geräumige Frist zur Wiederherstellung als Bauern gestattet werde,

welche auch jetzt huldreicher Berücksichtigung unterworfen werden.

Königsberg, den

Zitierhinweis

Bemerkungen über die persönlichen Verhältnisse der Gutsherrn und ihrer Hintersassen in Ostpreußen und Litauen, über die Rechte der letzteren an ihren benutzten Grundstücken und über die Austuung der Bauernhuben zum Eigentum oder in Erbpacht . Nach dem 14. Februar 1808In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_ucg_pcl_4qb