Ich habe unter Beirat meiner Herren Pächter beschlossen, vom 1. April ab einige Verbesserungen und Veränderungen in der Stellung der Gutsleute der ganzen Steinorter Begüterung einzuführen, und hoffe ich, dass alle Gutseinsasen die ihnen gewährten Vorteile erkennen und sich bemühen werden, durch vermehrten Fleiß, Treue und Gehorsam ihrem Brotherrn diese Verbesserungen zu vergelten und ihrem eigenen Haus und Wirtschaftsstand zu heben.

§ 1.
An Stelle der Dünger-Entschädigung, die künftig nicht mehr gegeben wird, bekommen die Instleute vom 1. April bis zum 1. Oktober auf jede 31 Arbeitstage, gleichviel ob Manns-, Frauen- oder Scharwerkstage einen Scheffel Brotgetreide außer dem üblichen Tagelohn. Hierbei wird der Frauen der Instleute und dem 3. Arbeiter einer Familie der Tag sowohl auf Lohn als auf Getreide für voll gerechnet, wenn sie auch nur 3/4 Tag in Arbeit gewesen sind.
Diejenigen alten Instleute, die ihm ersten Jahre ihrer Anstellung keine Dünger-Entschädigung erhalten haben, und denen deshalb bei ihrem Abgange diese zustehen würde, behalten sie zu gut. Sie können die Dünger-Entschädigung nach ihrem Willen almählich erheben oder für ihre Witwe und Kinder resp. für den Fall ihres Abgangs zu gut behalten.

§ 2.
Der in einigen Gütern noch bestehende Abzug von 6 Manns- und 6 Frauenstagen als sogenannte Scharwerkstagen wird hiermit aufgehoben.

§ 3.
Von der Spreu bekommen die Instleute künftig von Roggenspreu die Hälfte, an Haferspreu den 10. Teil, von anderem Getreide nichts. Vom   Unleserliche Stelle [...]getreide wie früher den 6. Teil.

§ 4.
Alle Deputanten sind verpflichtet, einen Scharwerker zu stellen, auch wo es bisher nicht beobachtet sein sollte, und erhalten dafür 2 Silbergroschen Tagelohn un vom 1. April bis zum 1. Oktober auf jede 31 Arbeitstage einen halben Scheffel Brotgetreide. Diesen Deputanten-Scharwerkern wird 3/4 Tag für voll gerechnet.

§ 5.
Alle übrigen Leistungen, Abgaben, Verpflichtungen und Berechtigungen der Gutsleute bleiben unverändert bestehen. Herrn Ober-Inspektor Sassnick und sämtliche Herren Pächter ersuche ich, vorstehende Bestimmungen auf den resp. Vorwerken den versammelten Instleuten deutlich vorzulesen und nötigenfalls zu erklären, eine Liste derjenigen Instleute aufzunehmen, die nach dieser Bestimmung die Dünge-Entschädigung nich zu Gute behalten, diese Liste gegenwärtiger Schrift beizufügen, auf dieser Schrift die geschehene Verlesung zu notieren, dieselbe dann in Verwahrung zu nehmen und mir eine wörtliche Abschrit der Bestimmung nebst Liste der zur Dünger-Entschädigung berechtigten Instleute und Vorlassungsvermerk gefälligst einzureichen.

Steinort, den 31. März 1862

gez. Gf. Lehndorff

Zitierhinweis

Graf Lehndorff führt Veränderungen in der Stellung der Gutsleute in Steinort ein. Steinort. 21. M ärz 1862In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_z5c_n2d_vrb