Sämtliche, zu den hiesigen Gütern gehörigen Instleute sind hier heute gegenwärtig, um den jetzigen Zeitverhältnissen gemäß mit dem Tagelohn und den übrigen Leistungen festgestellt zu werden. Es wird daher folgender Contract zwischen der Gutsherrschaft und den Instleuten verhandelt und geschlossen.

1.
Erhält der Mann das Jahr über von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang 3 Sgr. und
das Weib das ganze Jahr hindurch von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang 2 Sgr. an Tagelohn.
Von sämtll. gearbeiteten Tagen werden bei der Berechnung
6 Tage dem Mann und
6 Tage dem Weib als Scharwerk abgezogen.

2.
Muss ein jeder 5 Sechstel(?) Holz halb hart und halb weich für den bestimmten Satz von 6 Sgr. pr. Sechstel schlagen, wo und wann nachdem es die Wirtschaft zulässt muss ihnen gleich viel gelten.

3.
Pferde zu halten wird nicht erlaubt, sondern es tragen noch im Sommer die Leute das Brennholz nach Haus. Im Winter fahren sie   Unleserliche Stelle [...] auf Handschlitten oder gegen angemessene Vergütung mit dem herrschaftlichen Gespann, wem es nachgegeben wird, ein Pferd zu halten, der muss selbiges von der Herrschaft brauchen lassen so oft es nötig.

4.
Wird ferner bestimmt, das Mittags gewöhnlich 1. Stunde und frühstens 3/4 Stunde, außer im August, Mittag 1/2 Stunde gehalten werden kann, und wer zu spät lommt mit 1 Sgr.für jede versäumte 1/4 Stunde bestraft wird.

5.
Ist jeder verpflichtet, so oft er notgedrungen zu Hause zu bleiben, sich die Erlaubnis hierzu zu erbitten, ansonsten ihm ein doppeltes Taglohn als Strafe angerechnet wird, überhaupt muss nicht allein der Mann, sondern auch das Weib nicht allein zu rechter Zeit, sondern so, wie sie bestellt werden, ohne Widerrede zur Arbeit kommen, denn nur wirkliche Krankheit kann das Ausblieben entschuldigen.

6.
An jährlichen Abgaben sind zur herrschaftl. Kasse zu entrichten:

  • 2 Rt. vom Wohnungs- und Garten-Wirte
  • 2 Rt. für den Morgen
  • 2 Rt. 10 Gr. an Holz-Geld
  • 2 Rt. 20 Gr. für 1 Fuder Heu, so sich ein jeder selbst aufmachen muss
  • 12 Sgr. an Kopfschoss pro Person
  • 12 Sgr. für 1 Vieh
  • an Schoss
  • 1 Sgr. für 1 Schwein
    16 Sgr. für 1 Kuh ,
  • an Weidegeld

wird aber berechnet, das noch diesen Sätzen nur 1 Kuh sowie 2 Schweine zu halten erlaubt ist, darüber darf niemand halten
Gänse werden gar nicht zu halten erlaubt, auf dem Vorwerker wo es noch geschieht, wird bestimmt, das statt dem   Unleserliche Stelle [...] von 4 die 5. Gans in den Hof geliefert wird, übrigens darf aber nicht mehr als 2 alte Gäns eincl. dem Ganter gehalten werden dauert bis Martini 1828 und hört dann auf.

7.
Die Hüter dürfen beim Brauer bleiben wie früher, dafür erhält ein jeder 1/2 Tonne   Unleserliche Stelle [...] als Entschädigung.

8.
Nicht minder ist ein jeder verpflichtet, sich des Nachts beim   Unleserliche Stelle [...]hüten der Ochsen zu gestellen, und muss auch für jeden etwa verübten Schaden aufkommen.

9.
Bei Bearbeitung des Flachses wird folgendes festgestellt.
1. Das Ziehen geschieht nach der Aussaat und wird auf jeden Zinser 1/2 St. Aussaat gerechnet, was beim Säen gehörigt abgesteckt werden soll, und welches für vollen Tagelohn gerechnet wird.
2. Das Hecheln und Auswässern sowie das Spreiten geschieht wie gewöhnlich, jedoch mit mehr Fleiß.
3. Für eine volle Stube zu brechen werden 1 2/3 Sgr. oder 3   Unleserliche Stelle [...] Groschen bezahlt und
4. für 1 Stein ungeschwungenen Flachs wie ausgeschwungenen werden 3 Sgr. bezahlt.
Übrigens wird noch bemerkt, das ein jeder gleich an Bünden schwingen muss, weil nach der   Unleserliche Stelle [...] per Bünder, welche Steinweise abgewogen, die Repartition gemacht wird, wie viel Bunde ein jeder zu schwingen hat, wer also weniger schwingt, dem werden5 Sgr. p. Bund abgerechnet und dem, der mehr geschwungen, 5 für jedes Bund zu gut gerechnet.

10.
Wenn das bisher übliche 1/4 Schock Garn, was ein jeder spinnen muss, nicht verlangt wird, so werden hierfür 20 Sgr. bezahlt.

11.
bleibt auch das bisher übliche Garten-Scharwerk feststehen und soll auch der Vorwerker, wo dies nicht geleistet wird, durch andere Arbeit abgegangen werden, und besteht in 3   Unleserliche Stelle [...].

12.
Nicht minder ist ein jeder verpflichtet, sich zu allen Wolfs- und   Unleserliche Stelle [...]-Jagden zu gestellen.

13.
müssen alle Königl. Kirchen- und Schulabgaben, die jetzo bestehen, und dem allgemeinen noch aufgelegt werden, von einem jeden getragen und geleustet werden, noch wird

14.
wenn der Dröscher anfängt, einem jeden Instmann zur Pflicht gemacht, gehörig rein zu dröschen, weil sonsten ein Abzug des Verdienst stattfindet, desgleichen recht zeitig auf die Scheune zu kommen, damit zur Zeit ausgedroschen wird. Als Dröscherverdienst wird der elfte Scheffel des Getreides   Unleserliche Stelle [...] gegeben, außerdem aber nichts. Schließlich wird noch bemerkt, dass ein jeder als guter Christ handle, und jeden Schaden und Nachteil, so viel in seinen Kräften steht, von der Herrschaft anzuwenden suchen und falls es nötig, sogleich von allem Anzeige zu machen.

15.
Mehr war nicht zu   Unleserliche Stelle [...], und es wird daher dieser Kontrakt noch jedem derselben deutlich vorgelesen, unterschrieben und unterzeichnet, nachdem zuvor festgestellt, dass im Winter wöchentlich nur 1 Holz lang gehalten werden soll.

Reichertswalde den 20. März 1825

B  Unleserliche Stelle [...]

Vorstehender Kontrakt von allen Instleuten, und von die Bauern Lechner, Böttcher,   Unleserliche Stelle [...] und Liedtke angenommen, die auch die Frei  Unleserliche Stelle [...] erhalten. B.

Zitierhinweis

Feststellung des Tagelohns und der Pflichten der Instleute des Grafen Dohna. Reichertswalde, 20. März 1825 In: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2021-2023. URL: https://lebenswelten-digital.bbaw.de/dokumente/detail_doc.xql?id=lehndorff_zyx_rnb_3rb