Karl Leopold Graf von Schlieben an Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff. Gerdauen, 28. März 1785

Er bedankt sich für dessen Brief, den er in Königsberg bekommen habe. Vor allem habe ihm die Mitteilung der dortigen Lustbarkeiten bei der Anwesenheit der Fürstin Czartoryska gewiss recht viel Vergnügen gemacht. Es seien die ersten und besten Nachrichten über die Festlichkeiten gewesen. Den kleinen Gott der Liebe stelle mir ganz natürlich vor, die Geistes-Gabe oder Geistes-Kräfte habe ihm ein Gottlieb Bötticher rege gemacht. Er erkundigt sich, was die charmante Komtess Pauline mache. Man freue sich, dass er Ende Mai in Preußen sein werde, doch zweifle er noch daran, da Berlin ein Ort ist, der viele Vorzüge vor Preußen hat, und besonders für Ihnen, da Sie dorten mit so viel agrement leben, teils auch, weil die jetzige elende Witterung wohl nicht hoffen lässt, dass die Wege dann schon practicable sein werden. General von Anhalt in Königsberg sei mit dem Wetter besonders unzufrieden, da er im Felde nicht exerzieren könne. Ich bin noch immer der Meinung, es muss unsere Erde einen Ruck oder Stoß von einem zu starken Erdbeben erlitten haben, drum es hat sich alles merklich verändert. Wir haben einen neuen Planeten schon mehr bekommen, und wer weiß, was wir noch mehr bekommen werden. Die Cousine Schlieben sei nach ihrem Besuch am Gründonnerstag zur Schwiegermutter nach Steinort gefahren. In der Finckensteinschen Familie gab es Todesfälle. Über die Wallenrodtsche Erbschaft könne er ihm nichts sagen, da es verschiedene Testamente gäbe. Die Baronin von Beynuhnen würde sich auch stark engagieren und Herrn Kirschkopff gewiss noch mache Feder darüber gebricht, bis er damit reüssiert. Leutnant von Podewils vom Posadowskischen Regiment habe sich mit der Baronesse von der Goltz in Leißienen verlobt.

Karl Leopold Graf von Schlieben an Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff. Gerdauen, 20. Januar 1786

Er bedankt sich für die Lieferung von Fischen. Er ist seit 6 Wochen erkrankt, müsse nun aber wegen einer finanziellen Angelegenheit nach Königsberg. Nach seinen Nachrichten solle es dort recht manierlich zugehen. Man freit und lässt sich freien, Herr Graf Truchseß von Capustigall mit Fräulein von Kalnein , Herr von Ostau von Quanditten mit Fräulein von Tiedemann , welche beide Dames Stiefkinder überkommen, die teils älter wie sie selbsten sind, teils der Unterschied sehr gering. Wenn die avantageuse Verlobung des Grafen von Keyserlingk so ist, wie man sie angibt, so gratuliere ihm dazu von ganzem Herzen, denn die Braut sei schön wie Venus, jung wie Hebe, tugendsam wie Minerva und besitze überdies ein Vermögen von 250.000 Rtlr. - Er bedauert die Baronin von Beynuhnen, deren Sohn seine besten Lebensjahre in der Festung verschleudern muss. Diese könne der gute Quittainer nicht wieder redressieren, und schreibe er auch noch etliche Briefe. Der aus Königsberg zurückgekehrte Lehnssekretarius berichte, dass man dort weder von einer Landplage, noch von schlechten Zeiten etwas wisse, statt dessen gäbe es Soupers und Assembleen und die Ärzte seien mit Magenkuren beschäftigt. Auch General von Anhalt habe am Krönungstag, dem 18. Januar, eine Feierlichkeit gegeben, ein Zeichen, dass Exzellenz sich wieder kommunizieren. In der Sache des Herrn Glave soll es schlecht stehen und man sehe seiner Verhaftung in Königsberg entgegen, doch könne man nicht immer glauben, was die Leute lügen.

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